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Obstruktive Schlafapnoe (OSAS)

24–47% Männer betroffen9–24% Frauen betroffen

Die obstruktive Schlafapnoe ist die häufigste Form schlafbezogener Atmungsstörungen mit wiederkehrenden Atemaussetzern durch Kollaps der oberen Atemwege – mit erheblichen kardiovaskulären Risiken.

Was ist obstruktive Schlafapnoe?

Die obstruktive Schlafapnoe (OSAS) ist die häufigste Form der schlafbezogenen Atmungsstörungen und betrifft 24–47% der Männer und 9–24% der Frauen. Sie ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Atemaussetzer (Apnoen) und Atemabflachungen (Hypopnoen) während des Schlafs, die durch einen Kollaps der oberen Atemwege verursacht werden.

Bei der OSAS erschlaffen die Muskeln des Rachens während des Schlafs, wodurch die Atemwege teilweise oder vollständig blockiert werden. Dies führt zu:

  • Sauerstoffabfällen im Blut (Hypoxämie)
  • Wiederholten Weckreaktionen (Arousals) zur Wiederherstellung der Atmung
  • Fragmentierung des Schlafs ohne erholsame Tiefschlafphasen
  • Aktivierung des Sympathikus mit Blutdruckanstieg

Der Schweregrad wird anhand des Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bestimmt: leicht (5-15/h), mittelschwer (15-30/h), schwer (>30/h).

Kardiovaskuläre Folgen

Erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzrhythmusstörungen

Metabolische Störungen

Typ-2-Diabetes, Insulinresistenz, metabolisches Syndrom, Gewichtszunahme

Neuropsychiatrische Auswirkungen

Tagesschläfrigkeit, Konzentrationsstörungen, Depression, erhöhte Unfallgefahr

Risikofaktoren

  • Übergewicht und Adipositas (Body-Mass-Index > 30)
  • Männliches Geschlecht und höheres Lebensalter
  • Anatomische Besonderheiten (vergrößerte Mandeln, Polypen, retrognather Unterkiefer)
  • Familiäre Veranlagung
  • Alkohol-, Nikotin- und Beruhigungsmittelkonsum
  • Rückenlage beim Schlafen (lageabhängige Schlafapnoe)

Leitsymptome & Klinische Zeichen

Nächtliche Symptome

  • Lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atempausen
  • Vom Partner beobachtete Atemaussetzer (oft 10-60 Sekunden)
  • Plötzliches Erwachen mit Luftnot (Erstickungsgefühl)
  • Nächtliches Schwitzen und trockener Mund am Morgen
  • Häufiger nächtlicher Harndrang (Nykturie)
  • Unruhiger, fragmentierter Schlaf

Tagessymptome

  • Ausgeprägte Tagesschläfrigkeit (Sekundenschlaf, Einschlafen bei monotonen Tätigkeiten)
  • Morgendliche Kopfschmerzen und Mundtrockenheit
  • Konzentrations-, Gedächtnis- und Leistungsstörungen
  • Reizbarkeit, depressive Verstimmung, Libidoverlust
  • Erhöhte Unfallneigung (Straßenverkehr, Arbeitsplatz)
  • Trotz ausreichender Schlafdauer nicht erholt

Diagnostisches Vorgehen

1. Anamnese & klinische Untersuchung

  • Erfassung der Symptomatik mittels Fragebögen (Epworth Sleepiness Scale, STOP-Bang)
  • HNO-Untersuchung: Inspektion von Nase, Rachen, Tonsillen, Zungengrund
  • Erfassung kardiovaskulärer Risikofaktoren und Komorbiditäten

2. Polygraphie (Schlaf-Screening)

Ambulante Messung im häuslichen Umfeld zur Erfassung von Atmung, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz, Körperlage und Schnarchgeräuschen. Dient als Screening-Methode.

3. Polysomnographie (Schlaflabor)

Goldstandard der Diagnostik – umfassende Untersuchung im Schlaflabor über eine Nacht:

  • EEG: Registrierung der Hirnströme zur Bestimmung der Schlafstadien
  • Atmungsparameter: Nasaler Flow, Thorax- und Abdominalbewegung
  • Sauerstoffsättigung: Kontinuierliche Messung der SpO2
  • Videodokumentation: Erfassung abnormer Bewegungen oder Verhaltensweisen

Therapieoptionen

CPAP-/BiPAP-Therapie (Goldstandard)

Continuous/Bilevel Positive Airway Pressure – nächtliche Atemtherapie mit positivem Atemwegsdruck zur Offenhaltung der oberen Atemwege. Die Therapie ist hochwirksam und führt zur:

  • Beseitigung der Atemaussetzer und Normalisierung der Sauerstoffsättigung
  • Reduktion der Tagesschläfrigkeit und Verbesserung der Lebensqualität
  • Senkung des kardiovaskulären Risikos (Blutdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall)
  • Verbesserung kognitiver Funktionen und Stimmung

Wichtig: Individuelle Maskenanpassung, Druckeinstellung und regelmäßige Nachkontrollen sind entscheidend für den Therapieerfolg.

Unterkieferprotrusionsschiene (UPS)

Alternative bei leichter bis mittelschwerer OSA ohne schwere Tagessymptome. Die individuell angefertigte Schiene verlagert den Unterkiefer nach vorne und erweitert so den Rachenraum. Vorteile:

  • Einfache Handhabung, geräuschlos, transportabel
  • Gute Akzeptanz bei jüngeren Patienten
  • Wirksam bei lageabhängiger OSA

Operative Therapie (HNO)

Bei anatomischen Engstellen (z.B. Tonsillenhypertrophie, Septumdeviation, Zungengrundvergrößerung) können operative Eingriffe erwogen werden:

  • Tonsillektomie / Adenotomie (v.a. bei Kindern)
  • Uvulopalatopharyngoplastik (UPPP)
  • Radiofrequenztherapie des Weichgaumens/Zungengrunds
  • Hypoglossus-Stimulation (neuere Methode)

Konservative Maßnahmen & Lifestyle-Modifikation

  • Gewichtsreduktion: 10% Gewichtsverlust kann den AHI um bis zu 50% reduzieren
  • Schlafhygiene: Regelmäßige Schlafzeiten, kühles, dunkles Schlafzimmer
  • Alkohol- und Nikotinverzicht: Besonders 4-6 Stunden vor dem Schlafengehen
  • Vermeidung von Sedativa: Benzodiazepine verstärken die Atemaussetzer
  • Lagetraining: Seitenlage statt Rückenlage (bei lageabhängiger OSA)

Langzeitbetreuung & Therapiekontrolle

Die obstruktive Schlafapnoe erfordert eine lebenslange Therapie und regelmäßige Verlaufskontrollen:

  • Auslesen der CPAP-Gerätedaten zur Überprüfung der Compliance und Wirksamkeit
  • Anpassung von Druck und Maske bei Problemen
  • Kardiovaskuläre Kontrollen (Blutdruck, Herzfunktion)
  • Motivation zur Therapietreue und Lifestyle-Modifikation

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