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Insomnische Störung (Ein- & Durchschlafstörungen)

10–16% haben DiagnoseBis zu 33% mit Symptomen

Insomnische Störung ist die häufigste Schlafstörung mit anhaltenden Ein- und/oder Durchschlafstörungen, die zu erheblicher Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit und Lebensqualität führen.

Was ist insomnische Störung?

Insomnische Störung (ICD-11: 7A00) bezeichnet anhaltende Ein- und/oder Durchschlafstörungen, die mindestens 3-mal pro Woche über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten auftreten. Entscheidend ist, dass ausreichend Gelegenheit zum Schlafen besteht, aber die betroffene Person dennoch nicht schlafen kann.

Die chronische insomnische Störung ist häufig mit Hyperarousal (Übererregung) verbunden – das Gehirn bleibt auch nachts in einem Zustand erhöhter Aktivität. Dies zeigt sich in:

  • Erhöhter physiologischer Aktivierung (Herzfrequenz, Körpertemperatur, Cortisol)
  • Kognitiver Überaktivität (Grübeln, Sorgen, gedankliches Kreisen)
  • Emotionaler Anspannung und Schlafangst

Wichtig: 40–50% der Betroffenen haben eine komorbide psychiatrische Störung, v.a. Depression oder Angststörungen. Die insomnische Störung kann Ursache, Folge oder unabhängige Begleiterkrankung sein.

Einschlafstörungen

Einschlafdauer > 30 Minuten trotz Müdigkeit

Durchschlafstörungen

Häufiges nächtliches Erwachen mit Schwierigkeiten wieder einzuschlafen

Früherwachen

Erwachen 2+ Stunden vor gewünschter Zeit ohne Wiedereinschlafen

Formen der insomnischen Störung

Primäre (idiopathische) insomnische Störung

Ohne erkennbare äußere Ursache – häufig verbunden mit erlernten ungünstigen Schlafgewohnheiten und konditionierter Schlaflosigkeit

Sekundäre insomnische Störung

Verursacht durch:

  • • Psychiatrische Erkrankungen (Depression, Angststörungen, PTBS)
  • • Medizinische Erkrankungen (Schmerzen, COPD, Herzinsuffizienz)
  • • Medikamente oder Substanzen (Koffein, Alkohol, Kortison)
  • • Andere Schlafstörungen (Schlafapnoe, RLS)

Akute insomnische Störung

Kurzfristig durch belastende Lebensereignisse (Stress, Trauer, Reisen) – Dauer < 3 Monate

Symptome & Folgen

Nachtsymptome

  • Einschlafschwierigkeiten (> 30 Min.)
  • Häufiges nächtliches Erwachen
  • Frühes morgendliches Erwachen (typisch bei Depression)
  • Nicht erholsamer, oberflächlicher Schlaf
  • Grübeln und gedankliches Kreisen
  • Angst vor dem Nicht-Einschlafen-Können

Tagessymptome

  • Müdigkeit, Erschöpfung, Energieverlust
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen
  • Leistungsminderung im Beruf
  • Beeinträchtigung sozialer Aktivitäten
  • Erhöhtes Unfallrisiko

Langfristige Gesundheitsrisiken

  • Psychiatrisch: Erhöhtes Risiko für Depression, Angststörungen, Substanzmissbrauch
  • Kardiovaskulär: Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Schlaganfall
  • Metabolisch: Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, Gewichtszunahme
  • Immunsystem: Erhöhte Infektanfälligkeit

Diagnostisches Vorgehen

1. Ausführliche Anamnese

  • Schlafmuster, Einschlaflatenz, Durchschlafprobleme
  • Erfassung von Auslösern und aufrechterhaltenden Faktoren
  • Medikamenten- und Substanzanamnese
  • Psychiatrische und somatische Komorbiditäten

2. Schlaftagebuch (1–2 Wochen)

Tägliche Dokumentation von:

  • Zu-Bett-Geh-Zeit und Einschlafdauer
  • Nächtlichen Wachphasen
  • Aufwachzeit und subjektiver Schlafqualität
  • Tagesmüdigkeit und Nickerchen

3. Fragebögen & Scores

  • Insomnia Severity Index (ISI): Schweregrad der insomnischen Störung
  • Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI): Schlafqualität
  • Depression/Angst-Screening: PHQ-9, GAD-7

4. Polysomnographie (nur bei Verdacht auf andere Schlafstörungen)

Bei chronischer insomnischer Störung in der Regel nicht notwendig. Indiziert bei:

  • Verdacht auf Schlafapnoe oder periodische Beinbewegungen
  • Therapieresistenz trotz adäquater Behandlung

Therapie: Kognitive Verhaltenstherapie für insomnische Störung (CBT-I)

CBT-I ist die Therapie der ersten Wahl bei chronischer insomnischer Störung – empfohlen von allen internationalen Leitlinien.

Sie ist der medikamentösen Therapie langfristig überlegen und zeigt eine Erfolgsrate von 70-80% ohne Nebenwirkungen oder Abhängigkeitsrisiko.

Therapieplan nach Pramsohler: 10-tägiges strukturiertes Programm mit 90% Erfolgsrate bei signifikanter Verbesserung der Schlafqualität.

1. Psychoedukation & Schlafhygiene

Vermittlung von Wissen über Schlafphysiologie und gesunde Schlafgewohnheiten:

  • Regelmäßige Schlaf- und Aufstehzeiten (auch am Wochenende)
  • Schlafzimmer: dunkel, kühl (16-19°C), ruhig, nur für Schlaf und Intimität
  • Koffein-Karenz ab 14 Uhr, Alkoholverzicht 3-4h vor dem Schlafen
  • Kein intensiver Sport 2-3h vor dem Schlafen
  • Keine Bildschirme 1h vor dem Schlafen (Blaulicht unterdrückt Melatonin)

2. Stimuluskontrolle

Wiederherstellen der Assoziation: Bett = Schlaf

  • Nur bei Müdigkeit ins Bett gehen
  • Bei Wachliegen >15-20 Min.: Aufstehen und Raumwechsel
  • Keine aktivierenden Tätigkeiten im Bett (Smartphone, Grübeln)
  • Entspannte Aktivitäten (Lesen, Musik) bis Müdigkeit einsetzt
  • Kein Tagesschlaf/Nickerchen

3. Schlafrestriktion

Kernstück der CBT-I: Vorübergehende Verkürzung der Bettzeit zur Erhöhung des Schlafdrangs und Konsolidierung des Schlafs.

  • Ermittlung der tatsächlichen Schlafzeit aus Schlaftagebuch
  • Bettzeit = durchschnittliche Schlafzeit + 30 Min. (mind. 5h)
  • Bei Schlafeffizienz >85%: Verlängerung der Bettzeit um 15-30 Min.
  • Feste Aufstehzeit (essentiell für zirkadianen Rhythmus)

4. Entspannungstechniken

Reduktion des Hyperarousal und Vorbereitung auf den Schlaf:

  • Progressive Muskelentspannung (PMR): Systematisches An- und Entspannen der Muskelgruppen
  • Atemübungen: 4-7-8-Technik, Bauchatmung
  • Biofeedback: Visualisierung physiologischer Parameter
  • Meditation & Achtsamkeit: Gedankliche Distanzierung

5. Kognitive Umstrukturierung

Identifikation und Veränderung dysfunktionaler Gedanken über Schlaf:

  • „Ich brauche 8 Stunden Schlaf, sonst bin ich nicht leistungsfähig"
  • „Wenn ich nicht schlafe, wird morgen alles schiefgehen"
  • Katastrophisierung der Schlaflosigkeit reduzieren
  • Realistische Erwartungen an Schlaf entwickeln

Medikamentöse Therapie

Wichtig: Medikamente sollten nur als kurzfristige Überbrückung (max. 4 Wochen) oder bei therapieresistenter insomnischer Störung eingesetzt werden. CBT-I ist langfristig überlegen.

Benzodiazepine & Z-Substanzen:
  • • Wirksam, aber: Abhängigkeit, Toleranzentwicklung, Rebound-Insomnie
  • • Nur kurzzeitig (max. 2-4 Wochen) bei schwerer Beeinträchtigung
Melatonin:
  • • Retardiertes Melatonin bei Einschlafstörungen (v.a. >55 Jahre)
  • • Geringes Nebenwirkungsprofil, kein Abhängigkeitspotenzial
Antidepressiva (off-label):
  • • Mirtazapin, Trazodon bei komorbider Depression
  • • Sedierender Effekt, aber Gewichtszunahme möglich
Orexin-Rezeptor-Antagonisten (Daridorexant):
  • • Neue Substanzklasse ohne Abhängigkeitsrisiko
  • • Gut verträglich, für Langzeittherapie zugelassen

Therapieplan im Schlafzentrum Wien

Unser Therapieplan nach Pramsohler ist ein 10-tägiges strukturiertes CBT-I-Programm:

  • 990€ für komplettes Programm inkl. Einführungsseminar
  • Schlafhygiene-Schulung & Entspannungstechniken (Biofeedback, PMR)
  • Schlafrestriktion & Stimuluskontrolle mit individueller Anpassung
  • Kognitive Umstrukturierung & individuelle Einzelgespräche
  • 90% Erfolgsrate – signifikante Verbesserung bereits nach 10 Tagen

Schlafzentrum Wien

Medizinisches Kompetenzzentrum für Schlafmedizin und Schlafstörungen

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