Polysomnographie (PSG)
Die Polysomnographie ist der Goldstandard der Schlafdiagnostik – eine umfassende Untersuchung im Schlaflabor zur präzisen Diagnose komplexer Schlafstörungen.
EEG-Monitoring
Atmungsanalyse
EKG & Sauerstoff
Video-Monitoring
Was ist eine Polysomnographie?
Die Polysomnographie (PSG) ist die umfassendste und präziseste Methode zur Untersuchung des Schlafs. Sie wird über eine gesamte Nacht im Schlaflabor durchgeführt und zeichnet simultan zahlreiche physiologische Parameter auf.
Der Begriff „Polysomnographie" stammt aus dem Griechischen: poly (viele), somnus (Schlaf), graphein (schreiben) – viele Aufzeichnungen während des Schlafs.
Diese „Königsdisziplin" der Schlafmedizin ermöglicht eine detaillierte Analyse der Schlafarchitektur, der Atmungsfunktion, der Herzaktivität sowie abnormer Bewegungen oder Verhaltensweisen im Schlaf.
Indikationen: Wann ist eine PSG notwendig?
- Verdacht auf Schlafapnoe-Syndrom: Schnarchen mit Atempausen, Tagesschläfrigkeit
- Narkolepsie und Hypersomnie: Exzessive Tagesschläfrigkeit unklarer Ursache
- Periodische Beinbewegungen (PLMD): Unwillkürliche Beinbewegungen im Schlaf
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Ausleben von Träumen mit Verletzungsgefahr
- Therapierefraktäre Insomnie: Chronische Schlafstörung ohne Besserung durch Standardtherapie
- Titration der CPAP-Therapie: Optimale Druckeinstellung bei Schlafapnoe
- Unklare nächtliche Ereignisse: Schlafwandeln, Panikattacken, Krampfanfälle
Gemessene Parameter im Detail
EEG (Elektroenzephalographie) – Hirnstrommessung
Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns über mehrere Elektroden am Kopf.
- Bestimmung der Schlafstadien (N1, N2, N3, REM-Schlaf)
- Erkennung von Weckreaktionen (Arousals)
- Analyse der Schlafarchitektur und -effizienz
EOG (Elektrookulographie) – Augenbewegungen
Erfassung der Augenbewegungen zur präzisen Identifikation des REM-Schlafs.
- Erkennung schneller Augenbewegungen (REM-Schlaf)
- Abgrenzung von Wachzuständen
EMG (Elektromyographie) – Muskelaktivität
Messung der Muskelspannung am Kinn und an den Beinen.
- Kinn-EMG: Muskelatonie im REM-Schlaf (wichtig für RBD-Diagnostik)
- Bein-EMG: Erkennung periodischer Beinbewegungen (PLMD)
- Detektion von Muskelzuckungen oder Bewegungsstörungen
Atmungsparameter
- Nasaler Atemfluss: Thermistor oder Drucksensor zur Erfassung der Atmung
- Thorax-/Abdomenbewegung: Induktionsplethysmographie zur Erkennung von Atembemühungen
- Sauerstoffsättigung (SpO2): Pulsoxymetrie zur kontinuierlichen O2-Überwachung
- CO2-Messung (optional): Transkutane oder endtidale CO2-Messung bei zentraler Apnoe
EKG (Elektrokardiographie) – Herzfunktion
Überwachung der Herzaktivität zur Erkennung von Rhythmusstörungen, die durch Atemaussetzer ausgelöst werden können (Bradykardie, Tachykardie, Arrhythmien).
Körperlage, Schnarchgeräusche & Video
- Lagesensor: Erkennung lageabhängiger Schlafapnoe (Rücken- vs. Seitenlage)
- Schnarchgeräusch-Aufzeichnung: Akustische Dokumentation
- Video-Monitoring: Infrarot-Videoaufzeichnung zur Dokumentation abnormer Bewegungen oder Verhaltensweisen (Parasomnien, RBD)
Ablauf der Polysomnographie
1. Ankunft und Vorbereitung (ca. 19:00-20:00 Uhr)
- Check-in im Schlaflabor und Besichtigung des Zimmers
- Kurzes Vorgespräch mit dem technischen Personal
- Zeit zum Auspacken und Einrichten
2. Anlegen der Elektroden (ca. 20:00-21:00 Uhr)
Unsere geschulten Techniker bringen die Messelektroden und Sensoren an:
- EEG-Elektroden am Kopf (ca. 6-10 Elektroden)
- EOG-Elektroden nahe den Augen
- EMG-Elektroden am Kinn und an den Beinen
- Atemgurt um Brust und Bauch
- Nasensensor für den Atemfluss
- Pulsoxymeter am Finger
- EKG-Elektroden auf der Brust
Hinweis: Das Anlegen ist nicht schmerzhaft, die Elektroden werden mit leitfähigem Gel und Klebestreifen befestigt.
3. Übernachtung im Schlaflabor
- Sie schlafen in einem komfortablen Einzelzimmer mit eigenem Bad
- Alle Kabel sind in einem Bündel geführt, das ausreichend Bewegungsfreiheit ermöglicht
- Das Personal überwacht die Aufzeichnung kontinuierlich im Kontrollraum
- Bei Problemen können Sie jederzeit über Gegensprechanlage Hilfe rufen
- Toilettengänge sind möglich (kurzes Abkoppeln der Kabel)
4. Aufwachen und Ablegen (ca. 6:00-7:00 Uhr)
- Sanftes Wecken durch das Personal
- Entfernen aller Elektroden und Sensoren
- Kurze Nachbefragung zur Schlafqualität
- Sie können danach nach Hause gehen
5. Auswertung und Befundbesprechung
- Manuelle Analyse der Daten durch unsere Fachärzte (ca. 2-3 Tage)
- Terminvereinbarung zur ausführlichen Befundbesprechung
- Gemeinsame Erstellung eines individuellen Therapieplans
Wichtige Hinweise für die Nacht im Schlaflabor
- Bringen Sie Ihre gewohnten Schlafutensilien mit (Pyjama, Zahnbürste, etc.)
- Verzichten Sie tagsüber auf Koffein und Nickerchen
- Waschen Sie Ihre Haare am Tag der Untersuchung (keine Stylingprodukte)
- Nehmen Sie Ihre Medikamente wie gewohnt ein
- Versuchen Sie, so zu schlafen wie zu Hause – perfekter Schlaf ist nicht nötig